Ich hatte den alten 900er in der 50 Watt Variante lange im Besitz.
Irgendwann habe ich ihn verkauft, auch aus der Sorge heraus, dass er mir doch mal den Dienst versagen könnte. Diese Entscheidung habe ich lange bereut. Der Amp war neben allen seinen Vorzügen auch noch relativ leicht.
Von allen Marshalls die ich bisher hatte, ist das der Beste.
Was man zum 900er unbedingt wissen sollte: Er ist eher höhenlastig abgestimmt. Das heißt, Wohnzimmersound ist nicht seine Stärke. Aber live ist der Amp super durchsetzungsfähig und wird nicht überhört. Im Bandkontext vermisst man hier nichts.
Seine Höhenlastigkeit hat das Reissue im Wesentlichen beibehalten. Wen das stört, der sollte ihn einfach mit der richtigen Box paaren. Mein Tipp:
bei Open Back Speakern den V-Type nehmen, bei geschlossenen Boxen entweder Greenbacks oder den Celestion Classic Lead 80, der meiner Meinung nach der perfekte Speaker für den Amp ist. Mit dem ist er ein Traum von Marshall. Das Thema Speaker wird bei Amps meiner Meinung nach immer noch viel zu oft übersehen, obwohl die den Sound zu gut 50% mitbestimmen.
Bei mir hängt der Amp an einer 2x12 mit Greenbacks.
Der Clean Kanal kann einen schönen Marshall Clean Sound und wenn man das Gain hier hochzieht, nagelt man den ACDC Sound schon ziemlich genau. Darüber hinaus ist der Amp hier auch sehr dynamisch.
Ebenso der Overdrive Kanal. Wenn man den aufzieht, bekommt man einen top Lead Sound. Bei mir steht das Gain hier meist bei etwa 13-14:00 Uhr. Wer mehr Gain braucht, klemmt einen Tube Screamer oder ähnliches davor und alles passt perfekt.
Dann hat er auch noch einen Federhall! Klingt klasse und ist auf beiden Kanälen schaltbar.
Der Reissue ist noch relativ teuer, aber man bekommt auch jede Menge fürs Geld, wie eine sehr gute Leistungsregelung und verschiedene Recording Ausgänge, die das Original in dieser Form nicht hatte.
Auch die FX Loop verdient Lob. Sie funktioniert tadellos und auch das Nebengeräuschniveau ist sehr niedrig. Man kann hier hervorragend einen Modeler dazwischenhängen und zum Beispiel wahlweise nur die Endstufe des Amps nutzen.
Manche werden sagen, 20 Watt könnten zu wenig sein. Dem kann ich nicht zustimmen. Klar, 30 Watt wären viellicht noch schöner. Aber merkt man das wirklich? Ich denke nein. Für Clubgigs reicht die Leistung allemal und wenn es größer wird, muß man ihn ohnehin mikrofonieren und gut ist.
Wir leben schließlich nicht mehr in den 1960ern, wo es praktisch keine PAs gab.
Wer diesen Amp zum Proben zu leise findet, sollte ein ernsthaftes Wort mit seinem Drummer reden. Der spielt dann nämlich auf extrem ungesunder Lautstärke. Wenn er es nicht einsieht, wechselt nicht den Amp, sondern den Drummer.
Dass der Amp sehr leicht ist, muss man bei dem Format nicht betonen. Ein weiterer Vorteil.
Mein Fazit: Für Blueser und Classic Rocker, aber auch Classic Metal Musiker bietet der Amp alles was man braucht und das Ganze in einem absolut zeitgemäßen Format und top Verarbeitung.